Chiptuning


Vielen Dank an Ralf A. für diese Ausführung.


Chiptuning...


Interessant, was man für wilde Theorien über Chiptuning bei Saugern so alles lesen kann!


Ich werde mal versuchen, ein paar einfache physikalische Grundlagen darzulegen,

dann kann sich jeder sein eigenes Bild machen:


Zur Verbrennung braucht man (wie wahrscheinlich eh jeder weiß) Luft und Benzin.

Beides muss im richtigen Verhältnis gemischt werden.

Vereinfacht kann man sagen, das die Grundvoraussetzung für eine Leitungssteigerung ist,

mehr Luft in den Motor zu bringen, und natürlich auch die Abgase wieder raus,

damit  wieder viel Platz für Luft da ist.


Wenn kein Turbo vorhanden ist, kann auch der Tuningchip nicht mehr Luft in den Motor bringen.


Wie ist dann aber überhaupt eine Leistungssteigerung durch das Steuergerät möglich?


Das Steuergerät ist im wesentlicher dafür verantwortlich, der angesaugten Luft die richtige Kraftstoffmenge zuzumischen.

Dazu misst es die angesaugte Luftmasse und führt im Massenverhältnis 1:14,7 über die Einspritzdüsen Sprit dazu.

Dieses Masseverhältnis entspricht Lambda 1 und führt zu einer vollständigen Verbrennung.

Diese ist erforderlich, dass der Schadstoffausstoß minimal ist und der Kat arbeiten kann.

Eigentlich würde man erwarten, dass bei optimaler Verbrennung die Leistung auch optimal ist.

Das ist sie aber nur "fast".

Die optimale Leistung erhält man, wenn man die Kraftstoffmenge um ca. 20 % erhöht (Lambda 0,85).

Die Leistung liegt dann max. ca. 10% höher als mit Lambda=1.

Das liegt daran, das der Mitteldruck durch schnelleres Abbrennen des Gemisches etwas höher wird.


Also sind doch 10 % mehr Leistung durch Chiptuning drin?


Nein!


Die Anreichung des Gemisches führt ja zu etwas unverbrannten Kraftstoff.

Diese ist zur Innenkühlung des Motors bei Volllast erforderlich.

Deswegen wird bei fast allen Motoren bei Volllast das Gemisch Richtung Lambda 0,85 angereichert. Das heißt, das Steuergerät macht schon von der Möglichkeit gebrauch, mehr Leistung durch die Anreicherung zu bekommen.

Damit bleibt für den Elektronik-Tuner nur noch einige wenige Prozent von den möglichen Potential (10%) übrig

Bei der Bar geschieht die Anreicherung, wenn man das Pedal mehr als 2/3 durchtritt.

Da die Bar aber keine Breitbandsonde hat, wird der Wert Lambda = 0,85 nur ungefähr erreicht.


Aber warum wird doch hin und wieder mal von einer merklichen Leistungssteigerung bei Sauger-Chiptuning berichtet.

Wenn man die Lambda=1 Regelung, die ja bis 2/3 Gasweg wirksam ist, abschaltet

und den Motor über den gesamten Bereich konsequent auf Lambda=0,85 abstimmt,

dann wird bei gleicher Gasstellung im Bereich unter 2/3 Gasweg die Leistung bei gleicher Pedalstellung

bis zu 10 % höher.

Der Motor spricht bei wenig Gas damit besser an und wirkt kräftiger.

Bei Vollgas und damit an der maximalen Leistung ändert sich praktisch nichts,

da das Steuergerät dort sowieso anreichert.


Die Perfektionierung dieses Vorgehen ist dann der Powercommander mit Autotune.

Über eine Breitbandsonde kann er über den gesamten Bereich das Lambda sehr präzise am optimalen Wert halten.

Das originale Steuergerät nutzt im Vollastbereich von den 10 möglichen Prozent mehr Leistung 

(durch die nur gerechneten Werte) vielleicht 7% aus,

so das durch den Einsatz einer Steuerung mit Breitbandsonde noch 3% mehr Leistung drin ist.


Was das bessere Ansprechen im Teillastbereich betrifft, sollte man sich darüber im klaren sein, dass dafür der Kat praktisch ausgeschaltet wird, und der Schadstoffausstoß stark ansteigt.

Dabei kann man exakt die gleiche Leistung ohne den ganzen Tuningkram abrufen, indem man etwas mehr Gas gibt.


Und jetzt der Verbrauchertip:

Den ganzen Aufwand kann man sich sparen, wenn man die Rolle ändert, auf der der Gaszug an der Drosselklappe läuft. Wenn man diese oval gestaltet, so das der Öffnungswinkel bei wenig Gas sich schneller vergrößert und auf dem Rest des Weges langsamer, dann erhält man genauso diese "bessere Ansprechverhalten".

Jeder der so ein Auto probe fährt, wird schwören, das der deutlich besser geht als das eigene. 

Wenn der Motor eine elektrische Drosselklappe hat, kann man das auch elektronisch über die Kennlinie anpassen.

Auch so ein billiger Tunertrick, um eine Leistungssteigerung bei Saugern vorzutäuschen.


Wohlbemerkt, das gilt für Sauger.

Bei aufgeladenen Motoren kann man meist einfach den Ladedruck durch Änderungen am Steuergerät erhöhen.

Mehr Ladedruck heißt mehr Luft und dann steigt die Leistung wirklich signifikant.

Bei Saugern erfordert mehr Luft in den Zylindern sehr viel mehr Aufwand an der Mechanik.


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